19.-21.10.2017, Werner Kofler intermedial

19. bis 21.10.2017, Robert-Musil-Institut für Literaturforschung: Werner Kofler intermedial. Internationale Tagung

Vortrag: „Wer spricht, spricht nicht, in welchem Stück?“ Autorenschaft und Intertextualität in Kalte Herberge

Die Tagung hat einen doppelten Fokus: Zum einen Intermedialität allgemein, zum anderen Werner Kofler, einen der ganz großen Sprachvirtuosen der deutschsprachigen Literatur, der dieses Jahr 70 Jahre alt geworden wäre.
Über die evidente, gut erforschte Intertextualität von Koflers Werk hinausgehend wird das Augenmerk auf dessen Intermedialität gerichtet. Vorausgesetzt wird ein breiter, kulturanthropologischer Medienbegriff, der von der Stimme als ältestem menschlichem Medium und der Sprache als audiovisuellem Archimedium ausgeht und über Schrift und Druck bis zu den analogen und digitalen Medien reicht – und die bei Kofler involvierten, Literatur überschreitenden Künste umfasst wie Theater, Musik, Film … Werner Koflers Prosa ist polyphon, vielstimmig im wörtlichen Sinn. Die Stimmen in seinen Texten restituieren akustische Körperlichkeit und simulieren die unmittelbare Ko-Präsenz von Sprechendem und Hörendem – eine mediale Konstellation, die die RezipientInnen massiv ‚packt‘. Es ist also konsequent, dass neben Prosatexten Hörspiele einen Großteil seines Werks ausmachen – Texte, die meisterhaft für die radiophone Umsetzung geschrieben sind. Zugleich montiert Kofler Auszüge daraus regelmäßig in seine Romane oder nimmt Hörspielaufführungen zum literarischen Erzählanlass.
Die enge Verwobenheit seiner Texte untereinander gilt auch für intermediale Verbindungen, und zwar über den Ton hinaus: In Drehbüchern und Filmprojekten sowie in seinen zwei Theaterstücken erweitert Kofler seine medialen Darstellungsformen um die visuelle Dimension, auf die er wiederum in seiner Prosa Bezug nimmt. Nicht zuletzt thematisieren Koflers Werke permanent Theater, Musik, Film … und sie realisieren sie durch musikalische und filmische Verfahren bis hin zur selbstreflexiven theatralen Inszenierung seiner Schreibszene.